sadaqa

Sadaqa

Der Begriff „Sadaqa“ ist auch im Deutschen nicht ganz unbekannt, zumindest die Übersetzung. Allerdings wird der Begriff nicht selten auch verkehrt übersetzt. So lautet die deutsche Übersetzung meist „Almosen“. Bei Sadaqa handelt es sich aber um eine freiwillige Gabe, die nicht immer eine materielle Natur haben muss.

Die Bedeutung von Sadaqa

Seinen Ursprung hat Sadaqa im Arabischen. Frei übersetzt bedeutet dies „aufrecht sein“ oder auch „wahrhaftig“. Damit ist allein die Bedeutung des Wortes schon wirklich schön, denn wer aufrecht ist, der hat eine ehrliche Haltung. Er ist sich selbst und anderen gegenüber offen und ehrlich und damit auch bereit, eine freiwillige Gabe zu leisten. Allah überprüft mit Sadaqa, ob seine Gläubigen ihm gegenüber auch wirklich aufrecht sind. Die kleinste gute Tat hat eine positive Bewandnis. So kann eine Sadaqa durchaus auch ein Lächeln sein. Wer einem fremden Menschen ein Lächeln schenkt, der ist bereit dazu, etwas zu geben, das andere nicht bereit zu geben sind.

Sadaqa ist nicht zu verwechseln mit Zakat. Bei Zakat handelt es sich ebenfalls um eine Abgabe. Diese ist für Muslime jedoch nicht freiwillig sondern verpflichtend und muss gemacht werden. So wird hier ein bestimmter Teil festgelegt, der sich auf die Besitztümer bezieht. Dieser Teil muss unter den Bedürftigen verteilt werden. Zakat ist als eine der Säulen des Islams zu sehen, bei Sadaqa handelt es sich um eine freiwillige Gabe, die heute vor allem getätigt wird, um das eigene Gewissen rein zu halten.

Mehr als nur eine materielle Weitergabe

Es ist eigentlich recht leicht, von den eigenen Dingen, die ein Mensch hat, etwas an andere abzugeben. In diesem Fall wird von einer materiellen Gabe gesprochen. Dabei ist jedoch zu beachten, dass es sich bei Sadaqa nicht nur um eine materielle Spende handeln muss. Tatsächlich geht diese freiwillige Gabe noch weiter hinaus über die materiellen Dinge. Der Begriff umschreibt alle Wohltätigkeiten, die ein Mensch machen kann. Wer einem Obdachlosen eine Jacke gibt, der tut Sadaqa. Wer mit einem Streuner sein Essen teilt, der macht Sadaqa. Wer einen fremden Menschen in den Arm nimmt, weil dieser traurig ist, der macht ebenfalls Sadaqa. Wer ein Bittgebet aufsagt für einen anderen Menschen, der macht Sadaqa. Die Aufzählung lässt sich beliebig weiterführen. So wird aber bereits deutlich, wie breit gefächert die Thematik wirklich ist.

Bei der Sadaqa handelt es sich um eine sogenannte dschihad. Dschihad steht für eine freiwillige Abgabe, die getätigt wird. Sie dient dazu, Allahs Wohlgefallen zu erregen und somit seine Gottgläubigkeit und seine Treue zu unterstreichen. Anders ist dies bei wadschib. Die religiösen Verpflichtungen gelten für alle Muslime und sind nicht freiwillig.

Die Sadaqa im Alltag

In vielen muslimischen Haushalten ist es ganz normal, dass es einen speziellen Behälter gibt. Dieser Behälter dient dazu, für eine Sadaqa zu sammeln. Es kann beispielsweise eine kleine Dose oder Flasche sein. Im Haushalt werden dann zu jeder Zeit mögliche

Sadaqa in die Dose gegeben. Auch hier ist es wichtig, dass dies auf freiwilliger Basis geschieht. Es macht keinen Sinn, Regeln festzulegen. Wer also beispielsweise einzahlen muss, weil er nicht im Haushalt geholfen hat, der gibt nicht aus freien Stücken. Daher kann hier nicht von Sadaqa gesprochen werden. Alle Mitglieder im Haushalt sind dazu angehalten, immer wieder freiwillig etwas zu geben, wenn ihnen danach ist. Wenn der Inhalt des Behälters dann deutlich macht, dass sich die Spende lohnt, wird er eingesetzt. Dies kann eine Spende an eine humanitäre Organisation sein. Es kann aber auch sein, dass von dem Geld Lebensmittel für einen Bedürftigen gekauft werden.

Hinweis: Im Iran ist es durchaus normal, dass Behältnisse für eine Spende nicht nur in den Haushalten, sondern auch auf der Straße zu finden sind. So haben die Menschen die Möglichkeit, jederzeit eine Sadaqa zu geben, die dann Bedürftigen zugute kommt.

Die Ahl-ul-Bait als Vorbild

Die Ahl-ul-Bait, auf Deutsch „Leute des Hauses“, bezeichnen Mitglieder, die zum Haus von Fatima und Muhammed gehören. Zudem umfasst der Begriff auch die Imama der Schia. Sie sind frei von Sünde. Eine Überlieferung besagt, dass die Ahl-ul-Bait im Schutze der Nacht Sadaqa geleistet haben. Sie versorgten die Menschen mit kleinen Gaben und wurden dabei nicht entdeckt. Erst wenn einer der Spender verstarb und die Spenden nicht mehr vor der Tür zu finden waren, wurde den Menschen klar, wer ihr Spender war.

Selbst Sadaqa leisten

Wir haben es in der Hand, jederzeit und jeden Tag freiwillig Sadaqa zu geben. Es ist eine durchaus schöne Tradition und Überlieferung, diese freiwillige Gabe zu nutzen, um auch selbst glücklich zu sein. Wer sich bewusst macht, was das Leben und Allah ihm jeden Tag wieder schenken, der wird auch das Bedürfnis haben, Sadaqa zu leisten. Diese freiwilligen Gaben können viele Facetten haben. Es lohnt sich also, hier durchaus selbst aktiv zu werden. Für viele Muslime ist es selbstverständlich, aber nicht nur Muslime, auch Menschen anderer Religionen können die Sadaqa für sich übernehmen.

Spenden an eine humanitäre Hilfsorganisation

Neben der Möglichkeit, einfach einem fremden Menschen ein Lächeln zu schenken, kann eine Sadaqa auch über eine humanitäre Hilfsorganisation gegeben werden. Muslimehelfen.org ist eine humanitäre Organisation, die diese Möglichkeit anbietet. Die Idee dahinter ist relativ einfach: Über das Internet ist es möglich, eine Spende zu tätigen. Das ist das ganze Jahr über ein Angebot von muslimehelfen.org. Das Geld, das über die Seite der Sadaqa zusammenkommt, wird aufgeteilt auf die verschiedenen Hilfsprojekte. So kommt es ganz verschiedenen Menschen zugute, die hilfebedürftig sind. Der Betrag ist dabei egal. Wer eine Sadaqa geben möchte, der macht es einfach und braucht auf nichts weiter zu achten.

Warum sollte ich spenden?

Ob man selbst eine Sadaqa in Form von Geld geben sollte oder nicht – diese Frage kann einem niemand beantworten. Fakt ist aber, dass es immer eine gute Idee ist, etwas Gutes zu tun. Wer etwas Gutes tut, auf den fällt dies auch zurück. Das muss nicht in Form von

materiellem Reichtum der Fall sein. Aus Dankbarkeit für die eigene Gesundheit, die Gesundheit der Menschen um sich herum und das Dach über dem Kopf eine Sadaqa zu geben ist genau das, was sich Allah von seinen Gläubigen wünscht und als barmherzig bezeichnen würde.